Eine Diskursanalyse von Ursula Knoll und Alex Fleischmann
Der/dem aufmerksamen LeserIn österreichischer Kleinformate wird ein Artikel in der Krone vom 3. Oktober nicht entgangen sein, der unter dem Titel "Sex-Tratsch und Golfwochen" ein weiteres Stück österreichischer Öffentlichkeit zum Besten gibt. Bezugnehmend auf die Einladung zu dem vom Referat für Homobitrans Angelegenheiten angebotenen Tutoriumsausbildungsseminar behauptet der Artikel, die ÖH verschleudere Mitgliedsbeiträge für angebliche Unterhaltungsseminare und verwende Steuergelder für "sexuellen Klatsch und Tratsch" und "Ausflüge" aufs Land. An keiner Stelle des Texts wird versucht, die eigentliche Zielsetzung des Tutoriumsprojekts darzustellen. Die Krone polemisiert damit gegen die ÖH und tut dies in einer Sprache, die latent homophobe Tendenzen in der Öffentlichkeit aufgreift und versucht dadurch, die Arbeit für sexuelle Minderheiten an der Universität Wien in die Schmuddelecke zu drängen.
Eine kleine Übersetzungshilfe:
„Tutorien (Anm.: Übungskurse)" |
Tutorien sind von ehrenamtlichen, höhersemestrigen Studierenden geleitete Veranstaltungen, die die Einführung von StudienanfängerInnen in den (Universitäts-)Alltag erleichtern sollen. |
„Spaß-Tage", „Ausflugs-Tage", „lustige ‚Seminar-Tage'" |
Das Tutoriumsausbildungsseminar ist eine professionelle Veranstaltung, bei der die zukünftigen TutorInnen ausgebildet werden. Selbstverständlich gibt es auch einen informellen Teil, in dem sich die zukünftigen GruppenleiterInnen austauschen können. |
„Petra und Susi... |
Ausgebildete Trainerinnen... |
...werden dafür sorgen, dass die ‚Gruppendynamik', das ‚Coming-Out' (Anm.: Bekenntnis zur Homosexualität) und der ‚sexuelle Tratsch und Klatsch' nicht zu kurz kommen." |
...werden dafür sorgen, dass die TutorInnen geschult werden, in ihren Tutorien die Gruppendynamik aktiv zu beeinflussen, Fragen des Coming-Outs professionell zu behandeln und die Sozialisierung lesbischwuler Studierender an der Universität und in anderen sozialen Räumen zu erleichtern. |
„Alles für euch kostenlos" |
JA, denn die auf dem Seminar ausgebildeten TutorInnen sollen dann auch auf ehrenamtlicher Basis für junge Studierende arbeiten. |
Wir wehren uns in aller Deutlichkeit gegen die Diffamierung eines Projekts, das zum Ziel hat, jungen Studierenden den Einstieg ins StudentInnenleben zu erleichtern. Wir bilden zukünftige GruppenleiterInnen professionell aus. Von den Aufwendungen für dieses Seminar profitieren jene jungen StudentInnen, die von diesen freiwillig und unentgeltlich arbeitenden Höhersemestrigen begleitet werden.
Der Text, der die Krone auf den Plan rief
liebe leute,
auch dieses wintersemester soll es wieder lesbischwule tutorien geben. zur vorbeitereitung darauf fahren wir auf ausbildungsseminar von freitag, 24. oktober ca. 10 uhr bis sonntag 26. oktober ca. 16 uhr. der ort ist noch nicht fixiert, wird aber noch bekanntgegeben. trainieren werden uns petra und susi. inhaltlich soll es um fragen der tutoriumsgestaltung, soft skills und gruppendynamik und je nachdem was für euch ansteht themen wie coming-out, queer theory, lesbischwuler tratsch und klatsch etc.
außerdem: ein nettes wochenende mit drei mal essen täglich und einem frisch überzogenen bett in ländlicher umgebung zwischen bäumen und wiesen, vielleicht sogar lamas. alles für euch kostenlos.
fahrt mit! wir würden uns freuen! schreibt uns ein mail: homobitrans(at)oeh.univie.ac.at
liebe grüße,
uschi und alex