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Gerburg Treusch-Dieter

Nachruf

von Gudrun Perko

Es ist mehr als traurig. Gerburg Treusch-Dieter, a.o. Univ. Prof., ist am 19. 11. 2006 verstorben. Ein Nachruf, ein Nach Rufen ist mir nicht möglich. Doch soll Gerburg Treusch-Dieter das zukommen, was Sappho so trefflich formulierte:
„Sich erinnern an uns
wird, wie ich mein’
mancher in späteren Zeiten.“

Sich an Gerburg Treusch-Dieter zu erinnern fällt nicht schwer. Wohl nicht nur mir war sie eine überaus wichtige Theoretikerin, eine Lehrerin im besten Sinne des Wortes, die stets das vermittelte, was sie selbst über sich ausdrückt: „daß ich über die Gender-Problematik zum Denken kam, die allerdings damals noch nicht so hieß, als ich meinen Beruf der Schauspielerin an den Nagel hängte, um mit dem „Unbehagen“ an der Frauenrolle anders umzugehen“. Feministin erster Stunde, Mitbegründerin des ersten Frauenbuchladens in Berlin u.v.m.; Soziologin, feministische Theoretikerin, deren Werke „Wie den Frauen der Faden aus der Hand genommen wurde. Die Spindel der Notwendigkeit“, „Von der sexuellen Rebellion zur Gen- und Reproduktionstechnologie“ oder „Die Heilige Hochzeit - Studien zur Totenbraut“ u.a. heftig diskutiert wurden. Um jenes „Unbehagen an der Frauenrolle“ aufzubrechen, griff Gerburg Treusch-Dieter – anders als in den meisten gegenwärtigen Gender-Studies – immer wieder auf die griechische Mythologie zurück und begründete es in „Autonomie auf der Überholspur: Ein mobiler Parcours zwischen Anfahrt und Einfahren" so: „Die Situation der Frau im Augenblick? - voller Knoten, scheint mir. Auf der Ebene der reinen Aktualität ist nicht mehr an sie ranzukommen. Deshalb mache ich ja den Rückgriff auf die Mythologie.“

Und immer wieder blitzte die erste Berufung durch. So war jeder Vortrag Gerburg Treusch-Dieters auch ein Schauspiel, eine Inszenierung, die stets das bekräftigte, was sie so vehement vermittelte: die Lust am Denken.
 
Gerburg Treusch-Dieter verdanke ich sehr vieles, auch meine erste Publikation. Gut in Erinnerung ist mir ihr nahezu beharrliches Drängen, dass Frauen den Schritt auf die „öffentliche Bühne“ wagen, gut in Erinnerung viele Gespräche, viele Bilder, viele Situationen, gut in Erinnerung ihre Lebenslust.

Gerburg Treusch-Dieter kann ich nichts mehr wünschen, nur uns, dass wir uns an sie erinnern.