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Schlechtes Zeugnis fürs Bildungssystem

Am 18. September wurde die neue OECD-Studie „education at a glance“ präsentiert. Gleich vorweg: dem Österreichischen Schul- und Bildungssystem wurde ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Doch was genau sind die Ergebnisse dieser Studie, welche die Bildungslandschaft der 30 führenden Industrienationen miteinander vergleicht? Hier das wichtigste kurz zusammengefasst:

•    Die Bildungsausgaben Österreichs sinken zunehmend. Wurde im Jahr 1995 noch 6,1% des BIP für Bildung ausgegeben, waren es im Jahr 2004 nur mehr 5,4%. Der OECD-Schnitt, der im selben Zeitraum übrigens gestiegen ist, liegt bei 5,8%. Besonders hart trifft es die Universitäten. Die Ausgaben im tertiären Bildungssektor belaufen sich auf magere 1,2% des BIP, während er durchschnittlich bei 1,9% liegt.

•    Österreichs Bildungssystem ist sozial selektiv und reproduziert soziale Schichten wieder anstatt diese aufzubrechen. Dies lässt sich besonders bei der sozialen Zusammensetzung der Studierenden ablesen. Der Anteil von AkademikerInnenkinder an den HochschulstudentInnen ist 2,5 Mal so hoch, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Nur in Portugal ist dieser Anteil höher. Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Elternhäusern werden meist schon vorzeitig durch das Bildungssystem ausselektiert oder leiden verstärkt unter Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.

•    Die hohe Bildungsrendite ist das Ergebnis des universitären Elitecharakters. In Österreich erzielen Berufstätige mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss im Schnitt ein um 74 Prozent höheres Einkommen als Berufstätige, die nur über Matura oder eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten. Österreich zählt somit zu den Ländern mit den höchsten Einkommensunterschieden.

•    Ein wirkliches Armutszeugnis stellt die Entwicklung der StudentInnenzahlen dar. Hierzulande wuchs diese Zahl im Zeitraum von 1995 bis 2004 um magere 3%, während es im OECD-Schnitt ganze 41% waren.

•    Somit ist es auch nicht  verwunderlich, dass Österreich unter den Ländern mit der geringsten AkademikerInnenquote liegt. Gerade einmal 20% eines Altersjahrgangs schließen ein Hochschulstudium ab, der Durchschnitt der anderen Industrienationen beläuft sich auf 36%.

•    Die geringe Zahl von HochschulabsolventInnen ist jedoch nicht nur durch eine niedrige StudienanfängerInnenquote von 37% (OECD-Schnitt: 54%) bedingt, sondern resultiert vor allem auch durch die international enorm hohe Drop-Out-Rate an Österreichs Universitäten. Weniger als 2/3 der StudentInnen schließen ihr Studium auch tatsächlich ab, was weniger auf deren Lustlosigkeit als viel mehr auf die katastrophalen Bedingungen an den Universitäten (schlechte Betreuungsverhältnisse, Platzmangel, marode Infrastruktur, geringe staatliche Unterstützung bei zeitgleich steigenden Lebenskosten und nicht zuletzt Studiengebühren sowie Beschränkungen und  Knock-Out Prüfungen während des Studiums) zurückzuführen ist.