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Offener Brief an Fredi Gusenbauer und Gio Hahn

Lieber Fredi, lieber Gio,

Wir haben uns sehr gefreut, dass ihr das Problem mit den Studiengebühren so elegant gelöst habt. Es ist natürlich grundvernünftig, dass die sozial schwachen Studierenden für die Studiengebühren nochmals extra hackeln gehen sollen. Sechs Euro die Stunde halten wir auch für durchaus angemessen. Das hebt unseren Stundenlohn gewaltig, denn wegen des bisherigen de-facto-Arbeitsverbotes mussten wir ausländischen Studis mit weitaus geringer bezahlter Schwarzarbeit auskommen.

Wie ihr wisst, müssen wir ausländische Studierende doppelt so hohe Studiengebühren bezahlen, was ja auch grundvernünftig ist, weil doppelt zahlen macht doppelt Sinn. Aber heißt das jetzt, dass wir auch doppelt soviel hackeln müssen wie unsere österreichischen KommilitonInnen um keine Studiengebühren bezahlen zu müssen? Das würde unseren Stundenlohn wieder auf drei Euro runterdrücken und da sind wir dann wieder da, wo wir schon einmal waren.

Oder dürfen wir gar nicht arbeiten für die Gebühren, weil wir ja laut geltendem Arbeitsrecht gleichfalls unqualifizierten österreichischen ArbeitnehmerInnen die Arbeit nicht wegnehmen dürfen. Dafür hätten wir natürlich auch vollstes Verständnis, schließlich könnten sich die kleinen blonden österreichischen Kinder ganz schön erschrecken, wenn ihre neuen unterbezahlten NachhilfelehrerInnen aus Kanakistan kommen.

Nicht dass ihr uns missversteht, es wäre uns natürlich eine Ehre euren dumme Kindern nachzuhelfen. Aber wenn ihr darauf besteht nehmen wir auch gerne die traditionell für uns reservierten Arbeiten an und putzen sozial bedürftigen österreichischen Familien auch gerne die Fenster (oder was auch immer).

Es wäre natürlich süper, wenn wir nur soviel Studiengebühren zahlen müssten, wie die österreichischen Studis. Dafür würden wir dann auch gerne in den überfüllten Hörsälen auf den Stiegen Platz nehmen statt österreichischen Studis den Platz wegzunehmen.

Aber wir wollen nicht frech sein und euch in eure Amtsgeschäfte dreinreden. Was verstehen wir denn schon davon, wo wir doch nicht einmal richtig Deutsch können. Aber bitte, bringt ein wenig Licht ins Dunkel, weil wir kennen uns jetzt gar nicht aus. Und wir versprechen euch dafür auch nach Abschluss des Studiums sogleich brav eure wunderschöne Heimat zu verlassen.


Seid doppelt gegrüßt,

eure Mituntertanen
vom Kulturverein Kanafani


P.S.: Sorry, dass wir euch nicht gewählt haben, aber die haben uns einfach nicht lassen ... Aber jetzt wisst ihr ja warum es auch besser so ist.


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