Das Universitätsgesetz 2002 wurde im Sommer novelliert: die 40-prozentige Frauenquote und die „Einrede der unrichtigen Zusammensetzung“ sind Schritte in die richtige Richtung– der Weg zu tatsächlicher Gleichberechtigung an den Unis scheint aber noch sehr weit.
Mehr als 50 Prozent der Studierenden sind Frauen – je häher man/frau die Karriereleiter hinaufsieht, desto verzerrter ist das Bild: Nur etwa 30 Prozent der AssistentInnen sind Frauen und nur ca. 14 Prozent der ProfessorInnen. Eine Rektorin sucht man/frau nach dem Rücktritt der BOKU-Rektorin Ingela Bruner wieder vergeblich.
„Gläserne Decke“ und „Pay Gap“
Durch die Dominanz der männlich geprägten Normen kommt es zu einer über Strukturen „gemachten“ Benachteiligung von Frauen. Das Phänomen struktureller Benachteiligung wird „Gläserne Decke“ genannt. Es beschreibt, dass Frauen ab einem gewissen Zeitpunkt auf zwar unsichtbare, dennoch bruchsichere Barrieren stoßen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Soziologin Christiane Funke hat die gläserne Decke erforscht: Ihrer Ansicht nach „sorgen Stereotypisierungen und Homogenitätserwartungen bei der Einstellungs- und Beförderungspolitik in den karriererelevanten Netzwerken für Schließungsprozesse gegenüber Frauen.“
23 Prozent der Männer, die eine Hochschule oder eine ähnliche Ausbildung abgeschlossen haben, üben eine leitende Tätigkeit aus, nur 7 Prozent der Frauen ist dies möglich. Das Einkommensminus von Frauen gegenüber Männern bei den unter 30-jährigen beträgt knapp 20 Prozent bei den Altersgruppen von 30 bis 39 sind es bereits 32 Prozent. Gründe dafür sind Unterbrechung der Erwerbsarbeit wegen Kinderbetreuung, Schwierigkeiten beim beruflichen Wiedereinstieg und die ungleiche Bezahlung.Etablierte Männerseilschaften an den Unis - zum Beispiel der Cartellverband - schließen Frauen immer noch von einflussreichen Positionen im Forschungs-, Lehr- und Verwaltungsbetrieb aus. Auch das traditionelle Verständnis einer wissenschaftlichen Karriere orientiert sich am Werdegang eines Mannes. Unterbrechungen – wie beispielsweise eine Babypause – sind schlicht nicht eingeplant.
Step by Step?
Die Universität ist ein Männerverein: Überwiegend Männer sind in Forschung, Lehre und den Gremein aktiv – somit gestalten auch überwiegend Männer die Entscheidungen für die Zukunft der Unis – wie etwa Personalentscheidungen – mit.
Die Politikwissenschaftlerin Biljana Menkovic sieht das Universitätsgesetz 2002 (UG02) – noch vor seiner Novellierung 2009 – ambivalent: „Wenn Frauen nicht oder in geringem Maße aktiv an der Umsetzung von Reformen beteiligt sind und als Akteurinnen auftreten, werden patriarchale Verhältnisse abermals reproduziert.“
In den Diskussionen rund um die Novelle des UG02 war Frauenförderung in Form einer Quote wichtiges Thema – gesetzlicher Outcome ist die im UG02 verankerte 40-prozentige Frauenquote. Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (§ 42) hat die Möglichkeit zur „Einrede der unrichtigen Zusammensetzung“ von Gremien bekommen.
Ein Erfolg für die Vorkämpferinnen an den Unis? Ja, aber nur ein Schritt in die richtige Richtung. Die Aufwertung des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen ist gut – besser wäre jedoch ein Gremium, dass sich mit der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auseinandersetzt.
Das Geschlechterverhältnis muss in allen Bereichen der Universität ausgeglichen sein und dazu reichen 40 Prozent noch lange nicht.