Als die europäischen WissenschaftsministerInnen 1999 in Italien die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums beschlossen, hätte sich wohl niemand zu träumen gewagt, was mit dem Stichwort Bologna-Prozess auf die österreichischen Universitäten zukommen sollte. Die verschiedenen Regierungen - besonders die schwarz-bunten von 2000 bis 2007- haben diese Vereinbarung als Persilschein für den neoliberalen Umbau der österreichischen Hochschulen und die Anpassung des Systems an konservative und wirtschaftsliberale Bedürfnisse genutzt. Entdemokratisierung, Zugangsbeschränkungen und finanzielle Verknappungen sind die Hauptmerkmale dessen, was unter dem Deckmäntelchen der Effizienz seit 2002 in Gesetzesform gegossen wurde.
Mit der 2009 beschlossenen Novelle des Universitätsgesetzes gelangt dieser Prozess nun zu einem vorläufigen Höhepunkt. Denn diese Änderungen, die mit 1. Oktober in Kraft getreten sind, sind große!
So besteht nun die Möglichkeit, Master-Studien qualitativ zu beschränken. Was qualitativ bedeutet, ist im Gesetz (wohl bewusst) nicht genauer definiert. Die Universitäten können also "Qualitätskriterien" festlegen, wie sie wollen: Notendurchschnitt im Bachelor, Studiendauer, Aufnahmegespräch, IQ-Test, Tests, etc. Das Gesetz sieht zwar vor, dass zumindest ein Masterstudium passend zu den angebotenen Bachelorstudien frei zugänglich sein muss, allerdings kann dies dazu führen, dass es pro Studienrichtung einen schlechten Massen-Master und einen gut ausgestatteten für die „Elite“ gibt.
Die Verschärfung der Studieneingangsphasen bedeutet außerdem, dass StudienanfängerInnen in den ersten zwei Semestern bestimmte Prüfungen ablegen müssen, ohne deren positives Bestehen sie keine weiteren Prüfungen ablegen dürfen. Das bedeutet, dass eine einzige negative Prüfung das Weiterstudieren verhindert.
Das soll also unsere schöne neue Uni sein? Die ÖH Uni Wien plant für das Wintersemester 09/10 eine Reihe von Veranstaltungen in denen die Institution Universität hinterfragt, Kritik geübt und gleichzeitig Anstoß für Veränderungen gegeben werden soll.