Datum: Freitag, 22.10.2010
Uhrzeit: 11.30 Uhr
Ort: Cafe Landtmann
Kontakt: 0681-10606784
Fotos: treibstoff.wagenplatz.at
Dass leere, zentrale und ungenütze Gelände bzw. Brachflächen innerhalb Wiens zwischengenutzt und belebt werden sollen, ist eine der Grundforderungen der Wagentruppe Treibstoff. In individuell aus- oder umgebauten Lkws und Bauwägen wollen wir die alternative Wohnform des Wagenlebens, welche in Österreich relativ unerprobt ist, verwirklichen.
Zum 9 mal innerhalb eines Jahres, nach 8 kompromissbereiten und einvernehmlichen Umzügen (die Gelände stehen noch immer leer), ist eine Brache, diesmal in Wien Landstrasse Anlaufpunkt, Kulturzentrum und Lebensmittelpunkt durch den Wagenplatz geworden.
Gestern früh, Baumgasse 131- Höhe Litfaßstrasse, 09:00: per Lautsprecherdurchsage wurde uns - momentan um die 20 Personen- von der Polizei mitgeteilt, dass die Eigentümerin, des seit Jahren leer stehenden Grundstücks, Porr einen Strafantrag laut §38 gestellt hat, wir uns illegal auf diesem Gelände befinden uns dieses innerhalb von 20 Minuten und mit der Auflage uns sofort zuzerstreuen, verlassen zu hätten.
Mit einer Schätzung von über 60 Beamten, einem Dutzend Security-Personal und reichlichen Fahrzeugen sowie Personen der Abschleppfirma Toman war es ein Einsatz, wie in Wien nicht alle Tage sieht.
Keinerlei Vorwarnungen oder Anzeichen für solche ein Spektakel! Es kam dazu, dass einige BewohnerInnen sich nicht auf dem Wagenplatz aufhielten, sondern ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgingen und erst verständigt werden mussten. Wir hätten weder alle Fahrzeuge mitnehmen können, da die Bauwägen beispielsweise nicht in diesem Zeitraum zugbereit gewesen wären, andererseits kam eine, wie geforderte, Zerstreuung der Gruppe für uns nicht in Frage. Aus diesem Grund haben wir uns nach Personalkontrollen durch die Polizei, gemeinschaftlich dazu entschlossen, auf den eskalativen Kurs der Stadt einzugehen und nahezu alle Wägen abschleppen zu lassen. Selbst bekamen wir ein Zutrittsverbot, konnten nichts mehr einpacken und konnten nur von außen beobachten, wie die Wägen abgeschleppt wurden. Die Aktion ging auch laut Ansichten der Exekutive ohne Vorfälle von Statten, obwohl diese Gespräche mit uns verweigerten ? uns wurde bis jetzt nicht mitgeteilt, wo unsere Wägen und damit unser sämtliches Hab und Gut aufbewahrt werden und wie wir sie wieder auslösen können!
Wir haben diesen Entschluss gefasst, nun ohne unsere Wägen zu sein, da wir keine andere Möglichkeit gesehen haben, um auf die Ausweglosigkeit unserer Situation hinzuweisen. Wir wollen nicht von A nach B gejagt werden ohne einen nachhaltigen Lösungsansatz. Wir sind nicht Teil desProblems- zu dem wir gemacht werden, sondern der Lösung!Wir stehen nicht alleine mit dieser Überzeugung im Wind-vielmehr sind es unsere BesucherInnen, Reisende, NachbarInnen und sämtliche Menschen die uns guten Mut zusprechen und selbst bestimmte Projekte unserer Art unterstützen, welche zeigen, dass Wien Wagenplätze nicht nur braucht, sondern niemand mehr auf sie verzichten will!
Mit dem Tag, dem 23. August 2010, an dem wir die Baumgasse befahren haben, haben wir Kontakt mit der Eigentümerin Porr gesucht und diese von unserem Anliegen der kulturellen Zwischennutzung in Kenntnis gesetzt.Da die Porr meinte, Zwischennutzung sei nicht im Sinne ihrer Firmenpolitik- wäre es abermals an der StadtWien gewesen wenigstens Gespräche aufzunehmen um eine Lösung zu finden. Doch dies ist nicht passiert. Vielmehr hat nun die Porr keinen anderen Weg gefunden, als das Gelände durch die Polizei räumen zu lassen.
Auch wenn die Stadt Wien sich hinter Tatenlosigkeit, sowie fadenscheinigen Ausreden (Zuständigkeit liegt bei Nichtzuständigen usw.) versteckt, und nun das Gelände im Auftrag der Porr geräumt wurde, sind es die Politik-Machenden der Stadt Wien die verantwortlich sind für die jetzige Situation. Die Unfähigkeit alternative Lebens-, Arbeits- und Kulturideen wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen ist ein Armutszeugnis für diese Stadt.
Der Bedarf an unkommerzieller Nutzung von gemeinschaftlichen öffentlichen Flächen und Räumen steigt überall. Urbane Zentren brauchen selbstverwaltete Gemeinschaften, welche nachhaltig und solidarisch das Stadtbild prägen!
Dieser nervenaufreibende Kampf um unsere Lebensgrundlage muss ein Ende haben- es wäre ein Leichtes über Sonderwidmungen, Konzepte und dergleichen mit der Stadt zu reden- aber diese verweigert nach wie vor die Gespräche mit der Wagentruppe Treibstoff. Wir geben nicht auf!!!
Wir fordern:
- sofortige Aufnahme von Gesprächen mit Verantwortlichen in der Stadt Wien
- Verhandlungen über Zwischennutzung auf Plätzen innerhalb der Stadt Wien
- Sofortiges Ende der Repression gegen WagenbewohnerInnen in Wien
treibstoff@wagenplatz.at
treibstoff.wagenplatz.at
Pressetelefon unter 0681-10606784