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Studienrechtlicher Teil der Satzung der Uni Wien wird mit 1.12.2020 verschärft

Neues von der Uni Wien

Nach dem Corona-Chaos der Uni Wien im vergangenen Sommersemester hat sich ebendiese, trotz mehrfacher Aufforderung unsererseits, über den Sommer offenbar kaum Gedanken darüber gemacht, wie es eigentlich im Wintersemester weitergehen soll. Bis zum Ende der Nachfrist des Sommersemesters (30.11.2020) galt noch eine Verordnung des Rektorats mit studienrechtlichen Regelungen im Bezug auf Corona; die detaillierten Pläne fürs Wintersemester erfahren wir also jetzt.

Für die Uni Wien offenbar total unvorhersehbar: die sogenannte zweite Welle. Lehrende wurden dazu angehalten, ihre Lehre für das Wintersemester online, physisch und/oder in Hybrid-Form zu planen - natürlich ohne Mehrbezahlung. Studierende mussten sich jeden Tag informieren, ob die Uni Wien nun auf digitales Angebot umgestellt wird oder nicht. Vor drei Wochen war es dann soweit: Uni findet bis auf einige wenige Ausnahmen nur noch online statt. Und die Uni Wien denkt sich offenbar "Ups, da müssen wir jetzt aber studienrechtlich noch schnell was ändern!". Das Rektorat hat im Schnelldurchlauf einen Änderungsvorschlag für das Studienrecht in der Satzung der Uni Wien verfasst und drängte den Senat mit Zeitdruck: Studierende und Lehrende brauchen dringend eine gesetzliche Grundlage. Dass das alles über den Sommer auch geplant und gemeinsam mit der ÖH Uni Wien diskutiert werden hätte können, müssen wir hier eigentlich nicht erwähnen.

Die Uni Wien hat sich also jetzt - im Schatten der UG Novelle und des 2. Lockdowns - dafür entschieden, den studienrechtlichen Teil der Satzung der Uni Wien zu ändern. Für Studierende schafft dies Rechtssicherheit. Viele der Änderungen kennen wir aber bereits aus der vielfach von uns kritisierten Verordnung vom 14. Mai, die bis 30.11.2020 gilt. Zwei Punkte aus dem Änderungsvorschlag konnten wir noch für Studierende verbessern, beim Rest hieß es: "Geht nicht anders".

 

Punkte, die wir verbessert haben:

  • Die Universität Wien hat die Möglichkeit für abweichende Prüfungsmethoden bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen, die in Präsenz vorgesehen waren, ausgeweitet. In der letzten uniweiten Verordnung waren diese nur für Personen, die zu Risikogruppen zählen, vorgesehen.  Dies wurde nun auf deren Haushaltsangehörige, Gesundheis- und Pflegepersonal, sowie Personen mit Einschränkungen der Reisefreiheit und betreuungspflichtige Studierende ausgeweitet. 
    Hiermit wurde einerseits eine lange Forderung von uns erreicht, dass endlich Kontaktpersonen von "Risikogruppen"personen genauso behandelt werden. Wir konnten anderseits zusätzlich noch erreichen, dass Haushaltsangehörige von Gesundheits- und Pflegepersonal genauso behandelt werden.
  • Die Universität Wien hat Ausnahmen für gewisse Bestimmungen vorgesehen. In diesen sollte allerdings nur eine möglichst kleine Studierendengruppe abgedeckt sein: "Risikogruppenangehörige", "Gesundheits- und Pflegepersonal", "Studierende in Absonderung" und Personen mit "Betreuungspflichten aufgrund von Schul/Kindergartenschließung". Wir haben diese Ausnahme-Gruppe auf alle, die mit "Risikogruppenangehörigen" und "Gesundheits- und Pflegepersonal" zusammen leben, ausweiten können.
  • Es steht nun explizit im Studienrecht, dass die Frist zur Abmeldung von einer Prüfung vor Ort und im Notfall bis zur letzten Sekunde passieren kann. Ohne akuten Notfall geht das bis 7 bzw. 3 Tage vorher.
  • Bei der Prüfungseinsicht von Multiple-Choice-Fragen haben wir erreicht, dass jetzt explizit im Studienrecht steht, dass eine Prüfungseinsicht stattfinden muss! Wenn die Lehrenden die Einsicht nicht online abhalten wollen (weil sie sonst ihre MC-Fragen nicht mehr weiterverwenden können), muss es auf jeden Fall einen Termin vor Ort geben (inkl. Rücksicht auf die Situation der Studierenden).

 

Verschlechterungen, die wir nicht verhindern konnten:

  • Die Uni Wien spezialisiert sich seit Corona auf eines ganz genau: Das Verhindern von möglichen Schummelversuchen. Sie stellt dabei mit ihren Formulierungen im Studienrecht alle Studierende unter Generalverdacht.
  • In den neuen studienrechtlichen Regelungen wird das Durchleuchten von  Studierendenräumlichkeiten bei mündlichen Prüfungen genauso weiterhin verankert wie die explizite Plausibilitätsprüfung- ohne konkreten Verdachtsfall.
  • Diese mündliche Nachfrage soll zwar keine Auswirkungen auf die Notengebung haben - sehr wohl kann aber im Sammelzeugnis ein Schummelvermerk (X) eingetragen werden und die Prüfung als "nicht beurteilt" abgestempelt werden. 
  • Für Studierende bedeutet dies große Unsicherheit, und im Zweifel: Vier Wochen danach noch Panik, ob eine Nachfrage kommt, ein Prüfungsantritt weniger und ein Leben lang ein Schummelvermerk im Sammelzeugnis bleibt. Und das nur, weil du nach vier Wochen nicht mehr 100%ig alles von deiner Prüfung weißt.

 

Zusammenfassend kann also gesagt werden: Lehrende haben seit Corona einen enormen Mehraufwand ohne Mehrbezahlung. Sie sollen die Modalitäten für Leistungsfeststellungen kurzfristig ändern können. Alle Studierenden werden unter Schummel-Generalverdacht gestellt. Offenbar ist es zielführender, alle Studierende zu verdächtigen, sie in ihrer Privatspähre einzuschränken, unverhältnismäßig zu sanktionieren und krankes Erscheinen zu Prüfungsantritten zu fördern, als irgendwas am veralteten Prüfungsstil der Uni Wien zu verändern.

Falls du Probleme mit einer dieser Regelungen hast, kannst du dich wie immer an deine Studienvertretung und oder das Beratungszentrum der ÖH Uni Wien wenden. 

Link zum Mitteilungsblatt: https://mtbl.univie.ac.at/storage/media/mtbl02/02_pdf/20201127-14.pdf