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Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen*

Mit Bierdeckeln sensibilisieren

25. November – Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen*

Am 25. November ist Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen*. Weltweit ist Gewalt an Frauen* noch immer ein großes Problem, das nach wie vor tabuisiert wird. Wir als ÖH Uni Wien wollen diesen Tag und die folgende Initiative „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ nutzen, um dieses Thema sichtbar zu machen und auch auf die Aktualität hinzuweisen.

In den kommenden zwei Wochen werden in Bars, die in Nähe der Universität Wien sind, Bierdeckel verteilt, die im speziellen auf das Thema sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt eingehen. Wir wollen damit sensibiliseren, wach rütteln, mit Mythen aufräumen. Schuld an einer Vergewaltigung oder einem sexuellen Übergriff ist niemals das Opfer!

 

Als wäre ein Professor mehr wert als ich

Die Zeitung der ÖH Bundesvertretung veröffentlichte im 2013 einen Artikel mit dem Titel „ Als wäre ein Professor mehr wert als ich“, der sexuelle Belästigung an der Uni thematisiert. „Jahr 2012 veröffentlichte die Ruhr-Universität Bochum eine Studie, die 22.000 Studentinnen von 34 höheren Bildungseinrichtungen in Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien zu den Themen sexualisierte Gewalt, Belästigung und Stalking befragte. In dem EU-Projekt gaben 61 Prozent der Befragten an, während ihres Studiums mindestens einmal Opfer von sexueller Belästigung geworden zu sein. Rund ein Drittel der Frauen schilderte, dass ihnen nachgepfiffen wurde oder anzügliche Bemerkungen gemacht wurden. Knappe 15 Prozent gaben an, dass ihnen jemand auf unangenehme Weise zu nahe gekommen sei.“

Nachzulesen unter: http://www.progress-online.at/artikel/als-w%C3%A4re-ein-professor-mehr-wert-als-ich

 

“Don’t teach women how to avoid being raped, teach men not to rape”

In unserer Gesellschaft wird Frauen* beigebracht, wie sie sexueller Gewalt aus dem Weg gehen können. Dazu gehören auch „provoziernede Verhaltensweisen“, knappe Kleidung zu vermeiden. sich nicht zu sehr betrinken und Nachts nicht alleine auf der Straße sein, etc. Diese Vorstellungen haben zur Folge, dass im Falle eines sexuellen Übergriffs der Frau* oder dem Mädchen* die Schuld gegeben wird. ‘Sie war eben nicht vorsichtig genug’, ‘Sie hätte eben nicht... tun/tragen sollen’ heißt es dann. Dieser Mechanismus wird oft ‘Blaming the victim‘ genannt. Täter sind in den meisten Fällen Männer und Jungen. Selbstverständlich werden auch Frauen* gewalttätig, doch statistisch gesehen sind sie stark in der Minderheit und die Art von Gewalt betet sich oft in anderen Kontexten ein.

Vergewaltigung und andere sexualisierte Gewalt haben aber keine anderen Ursachen als einen Vergewaltiger bzw. Gewalttäter. Weder Alkohol, Flirten noch knappe Kleidung können für einen Übergriff verantwortlich gemacht werden.  Es liegt niemals an den Opfern, die Schuld kann niemals bei ihnen liegen – das muss klar sein. Wichtig ist es Männer* und Jungen* zu sensibilisieren, ihnen beizubringen, was okay ist und was nicht. Zerlina Maxwell zählt hierzu fünf Punkte auf, wie sexualisierte Gewalt durch Männer verhindert werden kann. Sie wurden von Maike auf kleinerdrei übersetzt:

“1. Bringt jungen Männern bei, was einvernehmlicher Sex ist.
2. Bringt jungen Männern bei, Frauen als Menschen anzusehen, und nicht als sexuelle Objekte, die zum Vergnügen der Männer da sind.
3. Bringt jungen Männer bei, wie sie ihre Männlichkeit auf eine positive Weise ausdrücken.
4. Bringt jungen Männern bei, missbrauchten oder vergewaltigten Frauen und Mädchen zu glauben, die mit ihren Fällen an die Öffentlichkeit treten.
5. Bringt jungen Männern bei, einzugreifen, wenn Sie Zeugen von Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch werden.”

 

 „Bringt jungen Männern bei, was einvernehmlicher Sex ist.“ – Das Zustimmungskonzept

„No means no“, „yes means yes“ – ohne klare Zustimmung ist es kein einvernehmlicher Sex. So darf auch Schweigen nicht als „Ja“ gedeutet werden. Mehrere Beispiele gibt hier das Zustimmungskonzept von defma.blogsport.de:

Nein heißt Nein! Das Zustimmungskonzept   Download

Quelle: http://defma.blogsport.de/images/zustimmung_afterprint1_text_dt_path.pdf

Weitere Materialien: http://defma.blogsport.de/material/

 

Seit ihrem 15. Lebensjahr haben in der EU 62 Millionen Frauen körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren

Physische Gewalt an Frauen* passiert nicht hauptsächlich in dunklen Gassen, sondern im engsten Umfeld und durchzieht jegliche gesellschaftliche Gruppe.  Diese Form von Gewalt umfasst Straftaten, von denen Frauen* überproportional betroffen sind, wie sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und häusliche Gewalt. Laut Studien ist jede 5. Frau* in Österreich von dieser Gewalt betroffen. Dennoch fehlt es bis heute an Frauen*hausplätzen. Gerade in ländlichen Gebieten sind Frauen*häuser oft unterfinanziert oder gar nicht vorhanden. Das Ausmaß dieser Gewalt zeigt auch ein neuerer Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA), der die Ergebnisse im März 2014 vorstellte.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

33 % der Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Dies entspricht etwa 62 Millionen Frauen.

22 % der Frauen haben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt.

Eine von 20 Frauen (5 %) ist seit ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden. Fast jede zehnte Frau, die sexuelle Gewalt außerhalb der Partnerschaft erfahren hat, gab an, dass mehrere TäterInnen an dem schwerwiegendsten Vorfall beteiligt waren.

43 % der Frauen waren entweder durch den/die aktuelle/n oder eine/n frühere/n PartnerIn psychischer Gewalt ausgesetzt. Der Missbrauch bestand unter anderem darin, dass Frauen öffentlich bloßgestellt wurden oder das Haus nicht verlassen durften oder eingesperrt wurden, dass sie gegen ihren Willen pornografische Filme ansehen mussten und ihnen Gewalt angedroht wurde.

33 % der Frauen haben in der Kindheit körperliche oder sexuelle Gewalt durch eine/n Erwachsenen. 12 % der Frauen waren in der Kindheit von sexueller Gewalt betroffen, die in der Hälfte der Fälle von fremden Männern ausgeübt wurde. Bei diesen Formen des Missbrauchs handelt es sich typischerweise um Fälle, in denen Erwachsene ihre Genitalien zeigen oder die Genitalien oder Brüste des Kindes berühren.

18 % der Frauen haben seit dem 15. Lebensjahr Stalking erlebt; bei 5 % der Frauen war dies innerhalb der letzten 12 Monate vor der Befragung der Fall. Dies bedeutet, dass etwa 9 Millionen Frauen in der EU von Stalking betroffen sind. 21 % der Stalking-Opfer gaben an, dass die Belästigung länger als zwei Jahre andauerte.

11 % der Frauen haben bereits unangemessene Annäherungsversuche in den neuen sozialen Medien erlebt oder erhielten E-Mails oder SMS-Nachrichten mit eindeutig sexuellem Inhalt. Unter den jungen Frauen (18–29 Jahre) waren es 20 % die bereits Opfer von solchen Formen der Online-Belästigung wurden.

55 % der Frauen haben irgendeine Form der sexuellen Belästigung erlebt. 32 % der Opfer sexueller Belästigung nannten als TäterInnen Vorgesetzte, Kollegen und Kolleginnen oder Kunden und Kundinnen.

67 % meldeten die schwerwiegendsten Gewaltvorfälle innerhalb einer Partnerschaft nicht der Polizei oder einer anderen Organisation.

Quelle: http://fra.europa.eu/de/press-release/2014/gewalt-gegen-frauen-sie-passiert-taglich-und-allen-kontexten

 

Gewalt hat viele Gesichter

Gewalt meint aber nicht nur physische oder psychische, sondern auch strukturelle und ökonomische Gewalt. Verwehrter Zugang zu gemeinsamen Geldmittel in der Partner_innenschaft, ökonomische Ungleichheiten, Verweigerung eines getrenntes Kontos, etc. sind nur möglich, weil Frauen* ökonomisch immer noch schlechter gestellt sind als Männer*. Es fehlt auch immer noch an einer entsprechenden Sensibilisierung von Berufsgruppen, die mit von Gewalt betroffenen Frauen* zu tun haben, beispielsweise Richter_innen, und an der tatsächlichen Umsetzung und Anwendung der vorhandenen Gesetze.

Entsprechende Sensibilisierung der Thematik bietet der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Dieser veranstaltet gemeinsam mit dem Department für Gerichtsmedizin an der Universität Wien die Ringvorlesung "Eine von Fünf".

Auch als ÖH Uni Wien werden uns weiterhin gegen Gewalt und für die Gleichstellung und Chancengleichheit von Frauen einsetzen. Gewalt an Frauen darf in keiner Situation toleriert werden.

„ Wir sind frei und wild, weder Dienerinnen* noch Freiwild. FEUER UND FLAMME DEM PATRIACHAT! Kampf der Gewalt an Frauen* – im Alltag, bei der Arbeit und im Staat!“

 

 

 

http://defma.blogsport.de/images/zustimmung_afterprint1_text_dt_path.pdf

http://www.progress-online.at/artikel/als-w%C3%A4re-ein-professor-mehr-wert-als-ich

http://maedchenmannschaft.net/tag/jungen/